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CLB

E-Commerce-Portale im Internet, Teil 3: Online-Auktionen

Dr. Torsten Beyer, Saarbrücken
Chemie in Labor und Biotechnik 51 (2000) 367-369

Im vorliegenden dritten und letzten Teil unserer E-Commerce-Reihe geht es um Online-Auktionen von wissenschaftlichen Geräten und Chemikalien. Bereits besprochen wurden Internet-Portale für Labormaterialien und Chemikalien (CLB 8/2000 bzw. 10/2000).

Auktionen, bei denen die Bieter nicht selbst anwesend sein müssen, sind an und für sich nichts Neues – diese werden per Post, Fax oder Telefon abgewickelt. Das Medium Internet verschafft solchen "Fern-Versteigerungen" jetzt allerdings eine völlig neue Qualität. Unabhängig von Zeit und Aufent- haltsort kann theoretisch jeder Internet-Nutzer weltweit und live mitbieten oder solche Auktionen zumindest einmal mitverfolgen.

Man muss grundsätzlich zwischen Auktionen unter Privatpersonen und den Business-to-Business- Auktionen unterscheiden, auf die in diesem Beitrag in erster Linie eingegangen werden soll. Erstere sind mit Namen wie "ebay" (http://www.ebay.de), "ricardo" oder "QXL" (http://www.qxl.de) verbunden, um hier nur einige der inzwischen zahllosen Anbieter zu nennen. Wer sich einen Überblick verschaffen will, sollte einen Blick in den Auktionsindex (http://www.auktionsindex.de) werfen. Bei Anbietern wie "itrade" (http://www.itrade.de) oder "auxion" (http://www.auxion.de) kann jeder Nutzer ohne großen Aufwand sogar eigene Auktionen veranstalten und die dort verfügbare Infrastruktur gegen eine geringe Gebühr, die sich nach dem erzielten Auktionspreis richtet, nutzen.

Auch im B2B-Bereich gibt es inzwischen zahllose Anbieter von Online-Auktionen. So bieten viele elektronische Marktplätze einen eigenen Auktionsbereich an. Einige davon, die bereits in den vorgehenden Teilen dieser Artikelserie vorgestellt wurden, sind in Tabelle 1 nochmals zusammen- gestellt. Im Folgenden beschränkt sich dieser Beitrag jedoch auf reine Auktionsportale, und zwar für Laborgeräte, Verbrauchsmaterialien und Chemikalien – Letztere sowohl für den Labor- als auch großtechnischen Einsatz

Anbieter

URL

eLabsEurope

http://www.elabseurope.com

Laboratory Network

http://www.laboratorynetwork.com

SciQuest

http://www.sciquest.com

Bioropa

http://www.bioropa.com

ChemConnect

http://www.chemconnect.com

ChemicalOnline

http://www.chemicalonline.com

i2ichemicals

http://www.i2i.com

cheop

http://www.cheop.de

Tabelle 1: Online-Marktplätze mit eigenem Auktionsbereich, vgl. CLB 8/9 (2000)


Auktion und Rückwärts-Auktion

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Formen von Online-Versteigerungen, nämlich die "normale" Auktion und die "reverse Auktion", auch "Rückwärts-Auktion" genannt. Bei der normalen Auktion gibt der Verkäufer in der Regel ein Startgebot und eine Laufzeit vor. Wer am Ende das höchste Gebot abgegeben hat, bekommt den Zuschlag. Im Laufe der Auktion werden alle Bieter per E-Mail über die aktuellen Gebote informiert und können so ganz einfach den "virtuellen Arm" heben, in dem sie – ebenfalls per E-Mail – ihr Gebot erhöhen. Dies ist der besondere Reiz, dem sicher auch schon einige Leser erlegen sind.

Allerdings zeigen Untersuchungen, dass man bei solchen Auktionen nicht zwangsläufig preisgünstiger an die gewünschte Ware kommt. Zudem treiben einige Verkäufer die Preise durch fingierte Gebote nach oben, und darüber hinaus sind Online-Auktionen nicht rechtsverbindlich, wie kürzlich ein deutsches Gericht entschied. Probleme bestehen nicht zuletzt auch mit der Liefergarantie, denn entweder der Verkäufer oder der Käufer muss in Vorlage gehen und die Ware liefern bzw. bezahlen. Hier hilft oft ein Treuhandkonto, auf das wo man den Kaufbetrag einzahlt. Der Verkäufer erhält sein Geld erst, wenn die Ware beim Käufer eingegangen ist, und er den Veranstalter der Auktion darüber informiert hat.

Im B2B-Bereich ist insbesondere die sogenannte "reverse Auktion" interessant, die mit einer Ausschreibung vergleichbar ist. Hier gibt ein Unternehmen einen Preis für ein bestimmtes Kontingent, z. B. 1000 Tonnen Methanol, vor, und der Lieferant mit dem günstigsten Angebot erhält schließlich den Zuschlag unter Einhaltung bestimmter Randbedingungen wie Lieferzeit, Reinheit, etc. Die Abwicklung weist ähnliche Probleme auf, wie bei den Privatauktionen beschrieben wurde, wenn auch hier die Teilnehmer in der Regel namentlich bekannt sind und ihre Identität im Vorfeld geprüft wird, um Missbräuche zu vermeiden. Denn vor nichts haben große Konzerne mehr Angst als vor fingierten Angeboten pfiffiger Schüler oder Studenten, die sich einen schlechten Scherz erlauben.

Finanziert werden die Auktionsplattformen in der Regel über geringe Provisionen vom Umsatz einer Auktion oder durch Werbeeinnahmen. Im Folgenden werden fünf Anbieter von Online-Auktionen näher vorgestellt. Dabei handelt es sich nur um eine kleine Auswahl aller Anbieter.

Online-Auktionsplattformen

Laborgerätebörse

Die seit zehn Jahren bestehende Laborgerätebörse GmbH mit Sitz in Burladingen nutzt seit Ende 1999 das Internet als zusätzlichen Vertriebskanal. Die Firma bietet auf der eigenen Homepage Online-Auktionen für Laborgeräte vom Sauerstoffmessgerät bis hin zur Spülmaschine an. Ende August wurden ca. 50 Geräte, zu denen man in der Regel ein Bild und Daten wie das Alter oder den Typ erhält, in der Online-Auktion offeriert. Abgewickelt wird sie über den weiter oben vorgestellten Anbieter auxion.

WLW-Auctions

Die Wer-liefert-was? GmbH mit Sitz in Hamburg bietet neben einem umfangreichen Branchenbuch unter www.wlw-auctions.de auch Online-Auktionen gebrauchter Geräte an. Das Angebot ist sehr umfangreich und umfasst alle Industriebereiche. Unter anderem findet man dort die Kategorien "Medizintechnik" sowie "Chemie und Pharma". Es werden sowohl normale als auch reverse Auktionen angeboten. Als Auktionsplattform wird die Infrastruktur von "itrade" genutzt (s. o.).

Surplex

Die Surplex.com AG mit Sitz in Berlin bezeichnet sich selbst als Europas führenden Online-Handelsplatz für überschüssige Wirtschaftsgüter und Restposten. Hier wird wirklich alles gehandelt, von Nahrungsmitteln über Maschinen bis hin zu Medizin- und Labortechnik; allerdings ist das Angebot dort nicht besonders umfangreich.

labX.com

LabX gehört wie einige andere bereits vorgestellte Seiten zum VerticalNet-Verbund (http://www.verticalnet.com) mit Sitz in den USA. Hier werden Laborgeräte aller Art versteigert. Ende August liefen knapp 500 Auktionen; das Angebot reicht von Atomspektrometern bis zu Wasseraufbereitungsanlagen. Als besonderes Highlight kann man in der "LabVista Search Engine" über 800 Gebrauchtgerätebörsen weltweit direkt nach den gewünschten Geräten durchsuchen.

Dovebid

Der Anbieter DoveBid bietet Business-Auktionen weltweit an. Man findet hier zahlreiche aktuelle Angebote für alle Wissenschaftsbereiche wie z. B. Biotechnologie, Pharma, Chemie, Kunststoffe, Messtechnik.

Sonstige

Auch einige Firmen bieten auf ihren Homepages eigene Auktionen an, die offen für jedermann sind. So kann man beispielsweise bei General Electric Kunststoffe [1] oder bei Linn HighTherm gebrauchte Laborgeräte ersteigern.

Fazit

Der Markt für Online-Auktionen ist momentan ebenso unübersichtlich wie der für die in dieser Artikelreihe bereits vorgestellten Marktplätze für Laborgeräte und Chemikalien. Anbieter wie "ChemicalBid.com" für Chemikalien, "eLabAuctions" (http://www.elabauctions.com) für Laborbedarf und Chemikalien, oder "ChemExchange.com" (http://www.chemexchange.com) für Chemikalien und Geräte zeigen die Probleme vieler Dot.com-Unternehmen gnadenlos auf, denn auf diesen Plattformen wurden Ende August so gut wie keine Auktionen veranstaltet. Und bei den wenigen, die liefen, gab es keinerlei Gebote!

Nach einer Studie der Boston Consulting Group werden alleine von den in Deutschland in diesem Jahr gegründeten B2B-Marktplätzen zwei Drittel langfristig nicht überleben. Den Trend hin zu E-Commerce-Lösungen wird dies aber nicht beeinflussen, denn diese Entwicklung ist heute schon unumkehrbar. Die Boston Consulting Group prognostiziert weiterhin, dass schon in drei Jahren 14 Prozent des Handels zwischen Unternehmen in Deutschland elektronisch abgewickelt wird, bei Großkonzernen mit mehr als 5 Milliarden Euro Jahresumsatz werden es sogar 26 Prozent sein. Die Befragung von 330 Unternehmen ergab außerdem, dass das B2B-Handelsvolumen von derzeit 177 Milliarden auf 422 Milliarden Euro im Jahr 2003 steigen soll.

Welche seltsamen Blüten das momentane Auktionsfieber im Internet hervorbringt, zeigt abschließend das Beispiel des amerikanischen Unternehmens UraniumOnLine.com (http://www.uraniumonline.com), das ausschließlich nukleare Brennstoffe versteigert – angeblich erfolgt die Abgabe nur an berechtige Unternehmen.

Literatur

[1] Zum Ersten, zum Zweiten - und zum Dritten.
     M. Egelhofer, Nachr. Chem. 48 (2000) 516-518

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