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CLB

E-Commerce-Portale im Internet, Teil 1: Laborbedarf/-geräte

Dr. Torsten Beyer, Saarbrücken
Chemie in Labor und Biotechnik 51 (2000) 284-286

Kaum ein Thema wird derzeit im Internet heißer diskutiert als der elektronische Handel. Fast wöchentlich gehen neue E-Commerce-Portale online, die als Business-to-Business-Marktplätze die Kataloge mehrerer Firmen auf einer einheitlichen Plattform zusammenführen. Die dadurch entstehende Markttransparenz bietet zukünftig große Rationalisierungsmöglichkeiten. Die vorliegende zweiteilige Artikelserie gibt einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Portale für den Bereich Laborbedarf/-geräte (Teil 1) und Chemikalien (Teil 2).

Im Internet gibt es zwei grundsätzliche Philosophien zur Umsetzung von E-Commerce-Lösungen (s. auch CLB 7/1999, S. 264 f.). Zum einen bieten immer mehr Anbieter auf ihren eigenen Homepages Online-Shops an. Als Beispiele seien hier nur Merck Eurolab (http://www.labshop.de), Carl Roth (http://www.carlroth.de) oder Mettler-Toledo genannt. Für die Firmen bieten diese Lösungen den Vorteil, dass sie selbst die volle Kontrolle über die inhaltliche Gestaltung und die Geschäftsabwicklung haben und keine sensiblen Daten auf den Rechnern fremder Unternehmen liegen. Für die Kunden bedeutet dies allerdings, dass sie wie bisher Kataloge verschiedener Anbieter sichten und die Angebote vergleichen müssen – und dies kostet viel Zeit. Genau an diesem Punkt setzen die E-Commerce-Portale an, denn sie bieten diesen Vergleich im Idealfall "auf Mausklick"und schaffen so sehr schnell eine ungeahnte Transparenz der Angebote – vorausgesetzt, dass alle wichtigen Unternehmen ihre Produkte über solche Portale anbieten. Dies führt naturgemäß zu einer Verschärfung des Wettbewerbs, da die günstigsten Anbieter in diesem Fall stark profitieren. Der Markt verlangt allerdings nach solchen Lösungen, um die Abwicklung von Transaktionen zu vereinfachen und damit letztlich Kosten einzusparen.

Internet-Portal oder firmeneigener Online-Shop

Beide Lösungen existieren heute nebeneinander. Es gibt sowohl Firmen, die ihren Katalog entweder nur auf der eigenen Homepage oder aber ausschließlich in einem Portal anbieten, als auch Firmen, die zweigleisig fahren. Die Zahl der Portale wächst ständig, und dies macht den ursprünglichen Vorteil der Transparenz leider wieder weitgehend zunichte. Langfristig wird es hier sicher eine Konsolidierung geben, und nur diejenigen Anbieter, die es schaffen, Marktführer als Kunden zu binden, werden überleben.

Die Finanzierung der Portale erfolgt entweder durch Zahlung einer pauschalen Nutzungsgebühr, oder der Betreiber erhält für jedes verkaufte Produkt eine geringe Vermittlungsprovision (1–5 %) von den im Portal vertretenen Anbietern. Hinzu kommen noch Kosten für die Integration und Pflege der Produktkataloge. Es gibt auch Kombinationen beider Varianten, die zweite Lösung ist aber weiter verbreitet und wird sich wohl langfristig durchsetzen. Die Recherche des Nutzers erfolgt innerhalb des Portals in einer übergreifenden Datenbank, in die alle Produktkataloge der vertretenen Firmen unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche integriert sind. Dadurch kann ein potentieller Kunde sehr schnell einen Überblick gewinnen und Angebote und Preise direkt vergleichen, ohne zu den Homepages der vertretenen Anbieter wechseln zu müssen.

E-Commerce-Plattformen – Beispiele

Im Folgenden werden die wichtigsten Portale für den Bereich Laborbedarf und Laborgeräte kurz vorgestellt.

LabWorld-Online

Das bereits 1997 gegründete Unternehmen LabWorld-Online erweitert sein Spektrum momentan auf die Bereiche Chromatographie und Spektroskopie. Auf dem virtuellen Marktplatz sind aktuell die Kataloge von über 70 Firmen verfügbar. Ein einfacher herstellerübergreifender Produktvergleich ist ebenso möglich wie die direkte Online-Bestellung. Daneben bietet die Homepage viele weitere Informationen wie Produkt-News, eine Gebrauchtgerätebörse und nützliche Internet-Links.

eLabsEurope

Die Firma eLabsEurope ist ein noch recht junges Unternehmen mit Sitz in München, das seit November 1999 im Web vertreten ist. Hier soll ein unabhängiger B2B-Marktplatz für die gesamte Biotechnologie- und Life-Science-Branche entstehen, dessen Angebot vom Antikörper bis zum Zentrifugenbecher reicht. Neben dem Online-Katalog und einem Auktionsportal bietet die Seite ein umfangreiches, von Wissenschaftlern redaktionell betreutes Informationsforum. Allerdings sind die meisten Inhalte erst nach einer Registrierung mit kompletter Adresse zugänglich, die kostenlos möglich ist.

LaboratoryNetwork

LaboratoryNetwork gehört zum weltgrößten Verbund von E-Commerce-Plattformen im wissenschaftlichen Bereich mit momentan 56 verschiedenen Portalen, der von der Firma VerticalNet (http://www.verticalnet.com) aufgebaut und ständig erweitert wird. Die vorwiegend auf den amerikanischen Markt ausgerichtete Seite versteht sich als Community und bietet neben der Online-Bestellmöglichkeit tagesaktuelle Branchenmeldungen und Produktneuheiten, einen Veranstaltungskalender, Jobangebote, Diskussionsforen, eine Linksammlung, ein umfangreiches Branchenbuch für Laborchemikalien und Laborutensilien aller Art, einen Auktionsbereich für gebrauchte Geräte und vieles mehr. Die Seite ist ohne Registrierung zugänglich, registrierte Nutzer können das Lay-out und die angezeigten Inhalte an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

SciQuest

Der auf den US-Markt spezialisierte Anbieter SciQuest bietet einen virtuellen Markplatz für wissenschaftliche Geräte und Chemikalien mit über 1 Million Produkten von 700 Herstellern, einen Auktionsbereich für gebrauchte Geräte, eine umfangreiche Linksammlung, aktuelle Branchen-News und als Besonderheit unter "LabDeals" begrenzte Sonderangebote neuer Produkte. Einige Bereiche der Seite sind erst nach vorheriger kostenfreier Registrierung zugänglich. Ein besonderes Highlight ist der "Column Shopper", wo man in einer Datenbank mit über 90 000 verschiedenen Chromatographiesäulen durch umfangreiche Recherchemöglichkeiten sehr schnell geeignete Produkte finden und ordern kann.

Bioropa

Die Firma Bioropa ist ein junges Startup-Unternehmen mit Sitz in Köln, das ein Portal speziell für den Bereich Life Sciences und Biotechnologie aufbauen will. Obwohl die Seite in Printmedien bereits beworben wird, ist momentan nur eine Demo im Netz verfügbar. Ab August soll das vollständige Angebot online gehen und neben einem umfangreichen Marktplatz mit Zugang zu zahlreichen Katalogen von Anbietern auch weitere Dienste wie Volltextartikel aus ausgewählten Fachzeitschriften bieten.

Tele-InCom

Wer die Seiten der Tele-InCom, einem Service des InCom-Symposiums in Düsseldorf aufruft, findet dort seit einen Dreivierteljahr nur den Hinweis, dass die Seite überarbeitet und erweitert wird. Diese Web-Seite bot vor der Abschaltung neben der Integration von Katalogen einiger Laborgerätehersteller weitere Informationen wie Produkt-News und einen Veranstaltungskalender. Geplant war eine virtuelle Messe für die Aussteller der InCom. Ob und wann die Seite wieder online geht, ist ungewiss.

Sonstige

Neben den hier vorgestellten Marktplätzen gibt es noch weitere übergreifende Plattformen, die neben vielen anderen Angeboten auch Laborbedarfsartikel anbieten. Genannt seien an dieser Stelle nur die Firma Surplex (http://www.surplex.com) als Online-Handelsplatz für Wirtschaftsgüter mit Sitz in Berlin und der Dienst Med2Med (http://www.med2med.de), ein B2B-Markplatz für den gesamten Gesundheitssektor.

Fazit

E-Commerce-Portale sind sowohl für Anbieter als auch Kunden sehr interessante Plattformen zur Abwicklung von Bestellungen. Der Kunde hat im Idealfall per Mausklick einen direkten Vergleich verschiedener Angebote für ein bestimmtes Produkt und kann Kaufentscheidungen viel schneller und einfacher als bisher treffen. Dies gilt allerdings nur, wenn alle Marktführen dort vertreten sind.

Auf Anbieterseite bietet die Partizipation an elektronischen Marktplätzen zum einen einen weiteren Vertriebsweg, zum anderen stellt die Integration elektronischer Bestellmöglichkeiten in die internen Warenwirtschaftsysteme ein enormes Rationalisierungspotential dar. Aber auch der Wettbewerb zwischen konkurrierenden Anbietern wird durch die bessere Markttransparenz und die Globalisierung weiter verschärft werden.

Zukunftsprognosen sind viele im Umlauf, die dort genannten Zahlen unterscheiden sich aber teilweise um mehrere hundert Prozent. Auf jeden Fall werden die virtuellen Marktplätze schon in kurzer Zeit nicht unerhebliche Auftragsvolumina abwickeln, die dann bei den klassischen Laborfachhändlern fehlen werden – mit den daraus resultierenden Problemen für die betroffenen Unternehmen.

Heute scheitert der E-Commerce oft noch an den noch nicht vorhandenen Strukturen in den Unternehmen, die eine elektronische Bestellung in ihren internen Prozessketten für die Beschaffung gar nicht vorsehen. Ist das Rationalisierungspotential jedoch erst einmal erkannt, wird es sicher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich die virtuellen Marktplätze etabliert haben.

Im zweiten Teil dieser Artikelreihe, der in der nächsten CLB-Ausgabe erscheint, wird der Schwerpunkt auf E-Commerce-Portalen für Chemikalien und Rohstoffe liegen.

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